Besonderheiten des Wanderns in den Karpaten
Auf den Seiten dieser Website schreibe ich oft darüber, wie einfach Wandern ist und dass es wirklich jeder machen kann. Es ist Zeit, ein wenig über die Schwierigkeiten zu schreiben.
Die Karpaten zeichnen sich als Wandergebiet vor allem durch ihr raues, wechselhaftes Klima aus.
Der Frühling beginnt hier Ende Mai. An den Nordhängen liegt bis Mitte Juni Schnee. Daher ist eine Reise in die Karpaten in den Maiferien eine echte Winterreise mit allen damit verbundenen Folgen, wie Lawinengefahr, schrecklicher Kälte in der Nacht und Wandern im Tiefschnee am Tag. Die Karpaten im Mai sind nur für Touristen mit Erfahrung im Winterwandern geeignet.
Ab Mitte Juni ist eine komplett sommerliche „T2“-Reise in die Karpaten möglich. Tagsüber ist es warm, man kann Shorts und ein T-Shirt tragen. Nachts kommt man bei etwas Dehnung mit einem Halbschlafsack aus. Entspannen Sie sich jedoch nicht – das Wetter kann jeden Moment schlecht werden. Dies geschieht in der Regel nachmittags. Das Bild sieht im wahrsten Sinne des Wortes so aus: Jeden Morgen scheint die Sonne, jeden Abend gibt es ein Gewitter. Gewitter sind hier sehr gefährlich. Begleitet werden sie von Hurrikanwinden, die Zelte zerstören können, und zahlreichen Blitzeinschlägen. Jedes Jahr sterben in den Karpaten Menschen durch Blitzeinschläge. Bei geringster Gewittergefahr sind Mobiltelefone auszuschalten, Metallgegenstände zu verstecken und sofort vom Bergrücken ins Tal abzusteigen. Auf der Route entlang des montenegrinischen Gebirgskamms ist besondere Vorsicht geboten, da es sich um offenes Gelände handelt und man mehr Zeit braucht, um sich vor den Elementen zu schützen.
Plötzliche Kälteeinbrüche mit Schneefall und Hagel sind möglich. Unter solchen Bedingungen sollte Ihr Regenschutz ernster sein als ein Plastikumhang. Auch bei schlechtem Wetter ist die moralische Vorbereitung von großer Bedeutung. Panik und Verlust der Selbstbeherrschung sind inakzeptabel und in vielerlei Hinsicht tödlich.
Unwetter sind nicht das einzige Hindernis auf dem Weg für die mutigen Eroberer der Karpaten:)
Der Weg selbst ist oft voller Hindernisse. Im Wald sind das vom Wind umgestürzte Bäume, auf den Wipfeln liegen wacklige Steinplatten. Oberhalb der Waldzone beginnen Dickichte von Zwergnadelbäumen – kriechende Latschenkiefern mit einer Höhe von etwa eineinhalb Metern. Die Wege im Zwergenwald verwachsen schnell und es ist mühsam durchzukommen. Außerdem kann man den Zwerg nicht betreten, wenn die Ausrüstung an der Außenschlinge des Rucksacks hängt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Ausrüstung verloren geht oder beschädigt wird.