Kyi, Schtschek und Choryw - die Gründer Kyjiws
Kyi, Schtschek und Choryw sind die drei Brüder, die die Nestorchronik als Gründer Kyjiws nennt. Zusammen mit ihnen erwähnt die Chronik ihre Schwester Lybid. Die Geschichte ist kurz: Der älteste Bruder ließ sich auf dem Hügel nieder, den man später Kyjiwyzia nannte, der mittlere auf der Schtschekawyzia, der jüngste auf der Chorewyzia, und die Stadt erhielt ihren Namen nach dem ältesten.
Hat es sie wirklich gegeben
Die Archäologie bestätigt lediglich, dass es die Siedlung auf dem Starokyjiwska-Hügel tatsächlich gab; ihre ältesten Schichten werden auf etwa das 6. Jahrhundert datiert. Ob Kyi ein lebender Mensch war, ist dagegen offen. Ein Teil der Forschung hält ihn für einen realen Fürsten des Poljanen-Stammes. Die Mehrheit sieht in allen vieren rein mythologische Gestalten.
Der Mechanismus dahinter ist recht durchsichtig. Neben Kyjiw liegen die Berge Schtschekawyzia und Chorewyzia sowie der Fluss Lybid - und jeder dieser Namen bekam gewissermaßen seinen Besitzer. Das ist ein klassischer eponymer Mythos: Zuerst ist der Ortsname da, dann der Ahne, der ihn angeblich gab. Dutzende Völker haben es genauso gemacht, vor uns und nach uns.
Woher die Namen stammen
Die verbreitetste Deutung führt "Kyi" auf ein türkisches Wort für "hohes Flussufer" zurück - was das hügelige rechte Dnipro-Ufer, auf dem die älteste Siedlung lag, gut beschreibt. Daher auch die Hypothese, an der Stelle Kyjiws habe eine Zeit lang ein chasarischer Vorposten gestanden.
Den Namen Lybid verbindet man mit der Anwesenheit der Ungarn südlich von Kyjiw vor ihrer Wanderung an die Donau Ende des 9. Jahrhunderts: Frühe ungarische Chroniken nennen das Land zwischen Don und Dnipro "Levedia", wo magyarische Stämme vom Ende des 7. bis zum Ende des 9. Jahrhunderts lebten. Schtschek wird bisweilen auf den bulgarischen Herrscher Schek zurückgeführt, der zu Beginn des 9. Jahrhunderts am Dnipro Krieg führte. Und "Choryw" könnte biblischen Ursprungs sein: Es ist die slawische Form des Bergnamens Horeb, auch Sinai genannt.
Keine dieser Deutungen ist endgültig belegt - genau deshalb sind sie alle noch im Umlauf.
Wo man die Brüder in Kyjiw sieht
Das bekannteste Denkmal für die Gründer Kyjiws steht an der Nabereschne Schose im Nawodnyzkyj-Park: ein Boot mit den drei Brüdern und ihrer Schwester. Es wurde 1982 zum offiziellen 1500-jährigen Stadtjubiläum aufgestellt - ein Datum, das eben aus jener Chroniklegende abgeleitet wurde. Der Bildhauer war Wassyl Borodaj.
Eine zweite, fast identische Komposition entstand später auf dem Majdan Nesaleschnosti. Die beiden werden regelmäßig verwechselt: Wer "das Boot über dem Dnipro" sucht, muss zur Nabereschne Schose.